Die Start-up-Szene von Leipzig

Kategorie: Leipzig Veröffentlicht am Montag, 17. März 2014 Geschrieben von PeterSchön

Founderscope.de-Gründer Michal Jirasek über Start-ups

 

Michal Jirasek ist Entrepreneur und gründete Founderscope, nachdem er feststellte, dass die meisten Start-ups trotz guter Ideen und großer Bemühungen ihrer Gründer scheitern. Als Experte für Customer Development und Lean Start-up sowie weitere innovative Ansätze entwickelte er ein Framework, das es Start-ups ermöglicht, typische Fehler zu vermeiden und ihre Erfolgschancen systematisch zu erhöhen. Im Rahmen von Workshops und Coachings unterstützt Michal Unternehmer bei der Weiterentwicklung und Validierung ihrer Konzepte sowie im Bereich Teaming. Zudem vermittelt er bei Bedarf den Kontakt zu potentiellen Partnern und Investoren. Wir haben ihn über die Start-up-Szene von Leipzig befragt.

 

Michal, was macht die Start-up-Szene von Leipzig aus?

Die Szene befindet sich momentan noch im Aufbau. Im Vergleich zu Städten wie Köln oder Berlin haben wir noch nachzuholen. Versteh mich nicht falsch, Unternehmen werden seit der Wende auch in Leipzig gegründet aber Start-ups basieren immer auf Innovationen oder neuen Ideen, nicht auf einem erprobten Geschäftsmodel, und da steht Leipzig eben noch am Anfang.

 

Wo liegen die größten Unterschiede zwischen Köln oder Berlin?

Bei der Realisierung von Start-ups benötigt man in der Regel Unterstützung. Diese findet man in Köln oder Berlin auf verschiedenen Start-up-Events. Dort treffen sich Investoren, Kreative und Professionals, die Dir bei der Umsetzung Deiner Idee behilflich sein können.

  

Und solche Events gibt es in Leipzig noch gar nicht?

Doch, die gibt es schon aber nicht in dem Umfang. In Leipzig haben wir da zum Beispiel das Start-up-Weekend. Das findet in diesem Jahr voraussichtlich vom 30.05 bis zum 02.06 in der Spinnerei statt. Außerdem gibt es das Gründerfrühstück an jedem ersten Freitag im Riverboat und den Start-up-Stammtisch, der an jedem ersten Dienstag im Monat entweder im Kulturkaffee Plan B oder im Café Waldi stattfindet.

 

Ich kann mir gut vorstellen, dass viele potenzielle Gründer bei so einem Start-up-Event Angst haben, ihre Idee zu kommunizieren, weil sie geklaut werden könnte.

Meistens sind die Ideen so unausgereift, dass jedes Feedback sinnvoll ist. Bei einem Start-up-Event stellst Du Deine Idee innerhalb von einer Minute vor. Das ist viel zu wenig Zeit um ins Detail zu gehen. Außerdem hast Du gegenüber einem „Dieb“ den Vorsprung Deiner Leidenschaft. Denn im Idealfall lebst Du Deine Geschäftsidee in jeder wachen Sekunde.

 

Also ist es aus Deiner Sicht ein absoluter Fehler, seine Idee nicht zu kommunizieren?

Erst wenn Du zeigen konntest, dass Deine Idee am Markt funktioniert, wird es Nachahmer geben. In einer frühen Phase ist das Risiko dafür einfach noch zu hoch, denn es braucht noch sehr viel Arbeit, um Deine Idee marktreif zu machen. Ich empfehle deshalb von Anfang an auf mögliche Kunden zuzugehen und Deine Idee mit ihnen zu testen und permanent zu verbessern. Erst wenn Du ein wirkliches Problem lösen- und Deine potenziellen Kunden begeistern kannst, wirst Du auch erfolgreich am Markt agieren können. Dafür ist die Kommunikation nach außen aber eine Grundvoraussetzung.

 

Und wie sieht es mit der Investorenlandschaft in Leipzig aus?

Also es ist schon Geld in der Stadt, hier investieren die Leute aber lieber in Immobilien. Es fehlt einfach noch am Bewusstsein, dass ein neues Unternehmen auch ein gutes Investment sein kann. Start-ups sind natürlich eine viel riskantere Geldanlage aber durch das richtige Vorgehen bei der Entwicklung, wird dieses Risiko kalkulierbar.

 

Was macht die Stadt für eine lebendige Start-up-Szene?

Gründer, Investoren und Kreative sind für den Aufbau einer lebendigen Start-up-Szene verantwortlich. Nur durch gegenseitige Hilfsbereitschaft und Offenheit zu Kooperationen, kann sich etwas entwickeln. Die Stadt hat bereits angekündigt, diese Bemühungen zu unterstützen. Dennoch müssen die Gründer den ersten Schritt machen, sinnvolle Konzepte entwickeln und Initiativen starten.

 

Bei der Finanzierung spielen öffentliche Fördermittel doch aber eine wichtige Rolle? 

Ob öffentliche Fördermittel sinnvoll sind, hängt von den Anforderungen des Projektes ab. Die Beschaffung der Mittel ist leider oft mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden. In der Anfangsphase ist es viel wichtiger, die Idee bei potenziellen Kunden zu validieren, erste Prototypen zu bauen und zu belegen, dass das Projekt Erfolgspotenzial hat. Das Wachstum kann dann organisch aus eigenen Einnahmen oder über Privatinvestoren erfolgen.

 

Wo liegt der Vorteil bei privatem Kapital?

Sagen wir mal ein Business Angel unterstützt Dich. Dann bekommst Du neben dem Kapital auch Know-how. Außerdem verfügt der Investor in aller Regel über ein bestehendes Netzwerk auf das Du zugreifen kannst. Nicht zuletzt ist der Investor am Erfolg Deines Unternehmens interessiert, denn in diesem Fall verdient er oder sie mit. Bei öffentlichen Fördermitteln bekommst Du bei einem erfolgreichen Antrag nur die Summer X, nichts weiter. Und da ist überhaupt noch nicht absehbar, ob die Idee funktioniert oder nicht.

 

Du hast gerade das Netzwerk angesprochen, worauf kommt es dabei genau an?

Ein Netzwerk entsteht immer um Deine Idee. Damit Du ein Projekt realisieren kannst, musst Du schauen, was Du dafür benötigst, was Du selbst leisten kannst und wo Du Hilfe brauchst. Neben einem Business Angel brauchst Du vielleicht noch Unterstützung bei dem Produktdesign, bei der Produktentwicklung und später beim Marketing. Die Skills und Ressourcen, die fehlen, müssen gezielt durch das Netzwerk ergänzt werden.

 

Kostenlos wird Dir aber sicher niemand helfen, oder?

Nein, da hast Du Recht und deshalb sind diese Start-up-Events so wichtig. Dort triffst Du Unternehmer, die daran interessiert sind, Gründer zu unterstützen. Selbst wenn es nur mit einem Tipp oder der Vermittlung eines wertvollen Kontaktes ist. Zudem macht es Sinn, sich Hilfe bei Mentoren, also Menschen, die sich gern bei Start-up-Projekten engagieren, zu suchen.

 

Wenn man andere überzeugen möchte, braucht es da besondere Fähigkeiten? Meine Frage zielt darauf ab, was einen Unternehmer ausmacht?

Den einen Unternehmer gibt es aus meiner Sicht nicht. Ich unterscheide immer zwischen zwei Typen. Der Visionär oder Dreamer entwickelt die Ideen, der Macher oder Doer setzt sie um. Als Einzelkämpfer wird man nicht weit kommen. Es ist immer wichtig, sich so breit wie möglich aufzustellen, so dass sich die einzelnen Teammitglieder gegenseitig ergänzen. Teammitglieder mit unterschiedlicher kultureller Herkunft oder verschiedenen Abschlüssen können meistens überzeugendere Lösungen entwickeln, als fünf BWLer.

 

Der Businessplan wird in der Fachliteratur immer gepriesen, wie wichtig ist so ein Plan für ein Start-up?

Ich würde Start-ups empfehlen, auf einen Businessplan zu verzichten. Denn ein Business Plan ist immer nur ein „Schnappschuss“ des Konzeptes zu einem Zeitpunkt, der bereits jetzt Vergangenheit ist. Trotzdem wird er von manchen Investoren oder Ämtern verlangt. Ich würde Business-Modeling-Tools verwenden. Die haben den Vorteil, dass man mit seiner Idee immer flexibel bleibt. Bei einem Businessplan gehst Du dagegen davon aus, dass genau das passieren wird, was Du hineingeschrieben hast. Du brauchst aber einen Plan, der sich jeder Zeit auf die sich ändernden Umstände anpassen lässt. Den hängst Du Dir an die Wand, hast ihn immer vor den Augen, kannst ihn sofort anpassen und die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Komponenten visualisieren und verstehen.

 

Wie kann man sich diese Business-Modeling-Tools vorstellen?

Startup Funnel Board - Founderscope.deWir haben als Business-Modeling-Tool das „Start-up Funnel Board“ entwickelt. Das besteht aus vielen verschiedenen Bausteinen, die Dir helfen sollen, Deine Idee besser zu entwickeln. Am Anfang definieren wir ein Problem. Danach entwickeln wir einen Lösungsansatz, den wir an potenziellen Kunden testen. Wenn das Produkt begeistert, suchen wir nach Wegen, es viral zu vermarkten. Es muss gelingen, dass allein durch die Nutzung des Produktes ein Marketingeffekt entsteht. Dadurch können später die Werbekosten gesenkt werden. 

 

Trotzdem sollte man das Marketing nicht vernachlässigen, oder?

Das Marketing ist ebenfalls ein Bestandteil des „Start-up Funnel Boards“. Wir schauen gemeinsam, welche Kanäle für Dein Produkt die Richtigen sind. Das kommt aber immer erst später. Zunächst muss die Idee funktionieren. Viele Start-ups machen den Fehler, ihre Lösung mit viel Geld zu hypen, obwohl es dafür gar kein richtiges Problem gibt. Das Produkt ist dann zwar bekannt aber niemand nutzt es, weil es keiner wirklich braucht.

 

Prof. Dr. Günter Faltin, Autor des Buches „Kopf schlägt Kapital“ hat einmal gesagt, dass eine Idee nicht plötzlich da ist, sondern dass an ihr permanent gearbeitet werden muss. 

Das sehe ich ähnlich. Dabei solltest Du das Feedback Deines Kunden ins Zentrum stellen und nicht nur das hören, was du möchtest. Alles was Einfluss auf das Produkt hat, muss mit Hilfe des Kunden verstanden- und bei der Weiterentwicklung genutzt werden. Das ist aber leichter gesagt als getan. 

 

Und wenn mir das nicht gelingt, ist mein Start-up schon zum scheitern verurteilt?

Nicht nur dann, für mich gibt es zwei Hauptgründe, warum Start-ups scheitern. Zum einen liegt es wie schon erwähnt an der Reihenfolge, wie Start-ups gegründet werden und zum anderen an ungelösten Konflikten innerhalb des Teams. Konflikte entstehen sehr oft, wenn Arbeitsaufwand und Ertrag unfair verteilt sind. Vielleicht hat es mal funktioniert, dass jedes Teammitglied 50 % der Anteile hält. Stellt sich im Laufe der Unternehmensentwicklung aber heraus, dass einer der beiden Gründer 90 % der Arbeit leistet und sich der Andere zurückhält, entstehen zwangsläufig Spannungen. Daher ist es wichtig, nach Mechanismen zu suchen, die es erlauben, die Anteile dynamisch fair zu verteilen. Das ist aber ein Thema für sich.

 

Im Interview: Michal Jirasek

Unternehmen: founderscope.de

Download: The Startup Funnel Board

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