1000 Jahre Leipzig - Zum Jubiläum im Jahre 2015 II

Kategorie: Uncategorised Veröffentlicht am Montag, 07. April 2014 Geschrieben von Christoph David Schumacher

Leipzig als Handels- und Industriestandort Teil 2.2.

Lest nun den Teil 2.2 unserer Serie über 1000 Jahre Leipzig. 

Mit der damit verbundenen Hoffnung auf Verbesserung der allgemeinen Situation entspannte sich pro forma die Lage der Wirtschaft und auch die Situation in Leipzig. 1935 erreichte die Industrieproduktion in Deutschland wieder den Stand von 1928 und die Zahl der Arbeitslosen sank auf unter 2 Mio. Dass hierfür die militärische Wiederaufrüstung und die Einführung der allgemeinen Wehr-pflicht die Ursache waren, interessierte zunächst weniger. Es interessierte die Menschen in der Mehrzahl offensichtlich ebenso wenig, dass dies der Vorbereitung eines Krieges dienen muss. Auch war der damit verbundene immense finanzielle Aufwand relativ uninteressant. Aber genau der brachte Deutschland an die Grenze seines Leistungsvermögens. Der Anschluss Österreichs linderte zunächst diese Notlage; nicht nur mit neuen Arbeitskräften sondern auch mit neuen Gold- und Devisenreserven von mehr als 1,4 Mrd. RM.

Das Leipziger Messezeichen

Das Wirtschaftswachstum lag in den Jahren bis 1938 bei beachtlichen ca. 9%. Das in Leipzig stark vertretene Metallgewerbe profitierte von dieser Entwicklung ganz besonders.

Auf diese Zeit der Prosperität folgte, was sich schon längere Zeit abzeichnete und wie konnte es anders sein, erneut ein erschüttender Krieg, angezettelt vom damaligen Deutschen Reich. Der 2. Weltkrieg mit all seinen verheerenden und schrecklichen Folgen für die Menschen und ihre Lebensgrundlagen tobte, bis zur endgültigen Kapitulation Deutschlands, fast 6 Jahre insbesondere in Europa aber auch in Asien.

Nachdem im Sommer 1945 die amerikanischen Truppen aus Leipzig abgezogen waren unterlag ab sofort die Stadt der Sowjetischen Militärverwaltung Deutschland (SMAD). 1.861 Leipziger Betriebe wurden umgehend verstaatlicht und 635 Betriebe in sowjetische Aktiengesellschaften (SAG) umgewandelt. Gleichzeitig begann überall mit hohem physischem Einsatz der Wiederaufbau.

Am 17.Juni 1953 werden in Leipzig über 80 Betriebe bestreikt. Auslöser hierfür war letztendlich die beabsichtigte Erhöhung der Normen in den staatlichen Betrieben. Der verhängte Ausnahmezustand wurde fast einen Monat, d.h. bis zum 11.Juli 1953 aufrechterhalten. Schrumpfung der Produktion und sinkender Lebensstandard folgten in den Jahren danach. Bis Ende der 50-er Jahre gab es, obwohl dringend notwendig, keine grundlegende Erneuerung der Produktionsanlagen. Es kam zu einer empfindlichen Investitionslücke, die dazu zwang, teilweise bis Ende der 80-er Jahre mit veralteten störanfälligen Produk-tionsmitteln auszukommen.

Die zunehmende Abwanderung qualifizierter Kräfte durch Republikflucht führte zu einer weiteren Schwächung der Wirtschaft. Allein Leipzig verlor bis 1989 ca. 50.000 Einwohner. Die Schließung der Grenzen und der Bau der Mauer in Berlin am 13.08.1961 sollte diesen "Aderlass" beenden und durchgreifende Abhilfe schaffen. Um den Abstand zum Westen nicht weiter anwachsen zu lassen sollte in der DDR, so beschloss es die SED, die wirtschaftliche Situation verbessert und der Lebensstandard durch verstärkte Importe erhöht werden. Dies führte zu einer immer höher werdenden Verschuldung der DDR. Von 1975 bis 1982 wuchsen sie von 8,9 Mrd. DM auf 26,1 Mrd. DM an. Um diese Entwicklung zu stoppen, musste exportiert werden – um jeden "Preis".

Immerhin "gelang" es auf diese Weise zwischen 1982 und 1985 die Schulden in harter Währung von 25 Mrd. auf 15,5 Mrd. DM abzubauen. Dies war allerdings nur ein kurzzeitiger Erfolg. Von 1985 bis 1989 waren die Schulden wieder auf ca. 20 Mrd. DM gestiegen. In vielen Zweigen der DDR-Wirtschaft, so auch in den Leipziger Betrieben, lebte man von der Substanz. Man war offensichtlich in eine Abwärtsspirale geraten. Das war auch ganz deutlich an und in den Industriebetrieben in Leipzig erkennbar.

Verschärfung der Mangelwirtschaft, stagnierender bzw. sinkender Lebensstandard, sowie politische Bevormundung der Bevölkerung führten zu immer größer werdender Unzufriedenheit der Menschen. Erich Honeckers Amtszeit war gekennzeichnet durch den Beschluss "Wirtschafts- und Sozialpolitik" zur Hauptaufgabe zu machen. Durch Erhöhung der Arbeitsproduktivität sollte eine Steigerung des Lebensstandards und somit die Zufriedenheit der Bürger verbessert werden. Kernstück war das Wohnungsbauprogramm, das das dringende Wohnungsproblem bis 1990 lösen sollte. So entstanden z.B. in Leipzig-Grünau, Schönefeld, Thekla, Lösnig oder Mockau, teils riesige Neubaugebiete mit typisierten Plattenbauten, die in gleicher Bauweise auch in Rostock, oder Dresden oder sonst wo in der DDR errichtet wurden. Bis 1990, so die offizielle Angabe der Staatsführung, wurden 3 Mio. Wohnungen neu errichtet oder modernisiert. Später stellte sich heraus, dass diese Zahlen, wie so vieles andere auch, manipuliert waren und tatsächlich nur 1,92 Mio. Wohnungen gebaut wurden.

Parallel dazu konnte man den rasanten Verfall und den Abriss von Altbauten in den Städten beobachten, weil für deren Sanierung weder Geld noch die erforderlichen Kapazitäten vorhanden waren. Diese Entwicklung führte zu einer Verödung der Städte, die besonders in Leipzig dramatische Folgen hatte. Im November 1989, nachdem das SED Politbüro nicht mehr existierte, nutzten Journalisten die soeben gewonnene Freiheit um im damaligen DFF (Deutscher Fernsehfunk) eine 2-teilige Dokumentation unter dem Titel "Ist Leipzig noch zu retten?" zu senden. Schonungslos wurde darin das bisherige Tabuthema "Verfall der Altbausubstanz in Leipzig" gezeigt.

Nach der Wende brach auch in Leipzig, wie in fast allen Regionen der ehemaligen DDR aus den bekannten Gründen die gesamte Industrieproduktion zusammen. Daneben wurde aber mit Milliarden-Investitionen die Infrastruktur verbessert, die Sanierung der Innenstadt vorangetrieben und die Wohnungen der Bürger saniert und modernisiert. Grundlage hierfür war das Inkrafttreten des Staatsvertrages mit der Bundesrepublik Deutschland über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion am 01. Juli 1990. Damit gehörte die Existenz der DDR der Vergangenheit an.

Mit der Währungsunion war die zum gleichen Termin auf dem Gebiet der ehemaligen DDR eingeführte DM verbunden. Durch die Werbung lange bekannte Waren konnten nun problemlos erworben werden. Gleichzeitig brach die Nachfrage nach DDR-Produkten total ein. Bisher exportierte Investitionsgüter mussten nun, insbesondere von den Käufern im Ostblock, mit Devisen bezahlt werden. "Harte" Währung die auch dort nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stand. Auch Leipziger Schwermaschinenbaubetriebe blieben auf ihren Produkten sitzen.

Grundlage für die Wirtschaftsunion war die Soziale Marktwirtschaft wie sie in der Bundesrepublik Deutschland bestand. Die am 1. März 1990 also noch in der DDR gegründete Treuhandanstalt übernahm am 01. Juli 1990 insgesamt 7.894 volkseigene Betriebe mit ca. 4 Mio. Beschäftigten. Als die Mehrzahl dieser Betriebe abgewickelt wurde und die Arbeitslosenzahlen stetig stiegen, wich die anfängliche Euphorie mehr und mehr einer Verzweiflung. Es bedurfte vieler Jahre bevor sich auch die Leipziger Wirtschaft langsam wieder erholte. Mit der Ansiedlung wichtiger Großunternehmen, wie BMW, Porsche und DHL befindet sich Leipzigs Wirtschaft wieder auf Erfolgskurs.

Die Sozialunion umfasste eine Umstrukturierung der sozialen Gegebenheiten der DDR. Nach dem Vorbild der Bundesrepublik. Die bestehende komplexe Sozialversicherung der DDR wurde getrennt in die bewährten eigenständig kalkulierte Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung. Ebenso galt nun das westdeutsche Arbeitsrecht mit Streikrecht, Tarifautonomie aber auch Mitbestimmung und Kündigungsschutz.

Nach der Wende erwachte Leipzig zu neuem Leben wie "Phönix aus der Asche". Sicher wird es dem einen oder anderen zu langsam gegangen sein, aber heute ist Leipzig wieder ein Oberzentrum mit großer nationaler und internationaler Strahlkraft. Leipzig und die gesamte Region ist zu einem wichtigen Zentrum der Energiewirtschaft geworden. Wissenschaft und Forschung, wie z.B. das Deutsche Biomasseforschungs-zentrum, haben wieder große Bedeutung. Der umsatzstarke Energieversorger VNG – Verbundnetz Gas hat in Leipzig seinen Sitz. In der Stadt wird mit der European Energy Exchange (EEX) die größte Energiebörse Europas betrieben. Dank der zentralen Lage hat sich Leipzig zu einem Verkehrs- und Logistikzentrum entwickelt. Neben den Leipziger Verkehrsbetrieben und dem Mitteldeutschen Verkehrsverbund koordiniert auch die DB Netz den Regionalbereich Südost von Leipzig aus.

Ebenso die Veolia Verkehrs GmbH, die Veolia Verkehr Regio Ost und deren Mitteldeutsche Regiobahn haben ihren Sitz in Leipzig. Mit der Fertigstellung des City-Tunnels wurde der gesamte Nahverkehr neu organisiert - es stellt seitdem ein in Mitteldeutschland einmaliges hochmodernes Nahverkehrssystem dar.

Im Herbst 2006 nahm das größte deutsche Logistikzentrum von Amazon seinen Betrieb auf und 2008 ging das europäische Luftdrehkreuz der Post-Frachttochter DHL am Flug-hafen Leipzig/Halle in Betrieb, Seitdem wachsen die Umschlagszahlen stetig an. 2012 lag der Luftfrachtumschlag bei ca. 890.000 Tonnen. Was der neunte Rekord in Folge darstellt. Derzeit sind am Standort ca. 3.500 Mitarbeiter beschäftigt. BMW hat bisher am Standort Leipzig ca. 1,2 Mrd. €uro investiert und beschäftigt derzeit mehr als 5.000 Mitarbeiter.

Eine ähnliche Erfolgsgeschichte schreibt Porsche in Leipzig. Millioneninvestition für eine erweiterte Produktpalette und der Bau von Produktionsanlagen, die die Herstellung einer kompletten Modellreihe ermöglicht. Insgesamt beschäftigt Porsche derzeit mehr als 2.000 Mitarbeiter. Mit diesen zwei Automobilwerken ist Leipzig zur Autostadt Nr.1 in Ostdeutschland geworden und hat damit wieder einen starken industriellen Kern. Was liegt also näher, als in Leipzig auch eine der größten Automobilmessen stattfinden zu lassen. Ein attraktives Messegelände bietet dafür hervorragende Rahmenbedingungen.

Welche Entwicklung Leipzig auf weiteren Gebieten genommen hat und welche Bedeutung die Messe, das Bildungswesen, die Literatur, die Musik, Theater sowie Kunst und Künstler und nicht zuletzt die Baukunst für Leipzig hatten und haben, soll in weiteren Beiträgen an dieser Stelle geschildert werden. Ihr Edmund Schneider.

 

 

Zugriffe: 3342

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste (Authentifizierung, Navigation und andere Funktionen). Durch die Nutzung unserer Dienste erklärst Du dich damit einverstanden, dass wir Cookies auf deinem Gerät speichern dürfen. Mehr Informationen Datenschutzerklärung.

Ich akzeptiere Cookies auf dieser Seite.

EU Cookie Directive Module Information